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Nach Kanton5. Juli 20268 Min. LesezeitZürich

Was ein Altbau in Zürich verschweigt, bevor Sie die erste Wand öffnen

Kurz gesagt

Ein Innenarchitekt Zürich plant und koordiniert die Gestaltung eines Raums — Grundriss, Licht, Materialien, Ergonomie — vom ersten Plan bis zur Bauabnahme. In Zürich liegen die Honorare bei einer Renovation zwischen 15 und 22 % der Baukosten oder bei 120 bis 300 Franken pro Stunde. Die lokale Besonderheit ist der dichte Altbaubestand aus der Gründerzeit sowie die Kernzonen und das ISOS-Inventar, die festlegen, was sich im Innern verändern lässt — teils noch bevor über Stil gesprochen wird.

Grundriss einer Zürcher Altbauwohnung mit Stuckdecke, neuem Durchbruch und einem Massmöbel

Sie haben eine Wohnung in einem Gründerzeithaus im Kreis 4 gekauft, oder Sie träumen davon, in einem Jahrhundertbau die Küche zum Wohnraum hin zu öffnen. Dann kommt die Frage, die alle ausbremst: Wen ruft man an, wofür und zu welchem Preis? Zwischen der Fachperson, die Pläne zeichnet, jener, die Leuchten aussucht, und jener, die an die Tragstruktur geht, ist die Grenze unscharf. Und in dieser Stadt kommt eine Ebene dazu, die Eigentümer regelmässig unterschätzen: Ein grosser Teil des Baubestands steht unter irgendeiner Form von Aufsicht.

Innenarchitekt, Dekorateur, Architekt: wer macht was

Die drei Berufe werden ständig verwechselt. Der Innendekorateur bearbeitet das Erscheinungsbild eines bestehenden Raums — Farben, Möbel, Textilien, Leuchten — ohne dessen Struktur oder Grundriss anzutasten, und braucht für die Ausübung kein anerkanntes Diplom. Der Innenarchitekt gestaltet den Raum selbst: Aufteilung, Wegführung, Licht, Ergonomie, Massmöbel, und koordiniert die Gewerke. Der Architekt im engeren Sinn (Ausbildung ETH, SIA-Mitglied) verantwortet Gebäudehülle, Tragwerk und Rohbau. Bei einer Zürcher Wohnungsrenovation führt meist der Innenarchitekt die Regie — den Architekten zieht man bei, sobald tragende Wände oder die Fassade berührt werden.

Innenarchitekt
  • Denkt den Grundriss neu: Wände, Durchbrüche, Wegführung, integrierter Stauraum
  • Erstellt Pläne, Pflichtenheft und Materialkonzept, koordiniert die Unternehmen
  • Ausbildung an einer Fachhochschule (HES-SO, ECAL, HEAD); ggf. Mitglied der VSI.ASAI
  • Sinnvoll, sobald die Raumaufteilung berührt oder tiefgreifend renoviert wird
Dekorateur
  • Bearbeitet das Bestehende: Farben, Textilien, Leuchten, Mobiliar, Inszenierung
  • Berät, ohne Struktur oder Grundriss zu verändern
  • Kein Diplom für die Berufsausübung erforderlich
  • Sinnvoll, um einen Raum aufzufrischen, dessen Grundriss bereits passt
Architekt
  • Zuständig für Hülle, Tragwerk und Rohbau
  • Unterzeichnet umfangreiche Baugesuche
  • Unverzichtbar bei Eingriffen an tragender Wand oder Fassade
  • Honorar meist auf breiterem Perimeter berechnet

Was ein Innenarchitekt Zürich konkret leistet

Ein Auftrag ist nicht bloss ein schönes 3D-Rendering. Er läuft in Etappen ab, und das Wesentliche entscheidet sich lange vor der Materialwahl. Diese Abfolge zu kennen hilft Ihnen zu wissen, wo Sie stehen, und keine Anzahlung für einen Schritt zu leisten, den Sie bereits als erledigt geglaubt haben.

01Aufmass und Diagnose

Präzise Vermessung des Bestands, Erfassen der Zwänge (tragende Wände, Schächte, Raumhöhen, Stuck) und dessen, was Zone und Inventar zulassen.

02Vorprojekt

Mehrere Grundriss-Szenarien, grob beziffert, noch vor jeder Materialwahl — hier entscheidet sich der grösste Teil des Budgets.

03Projekt und Pflichtenheft

Definitive Pläne, Materialwahl und präzises Leistungsverzeichnis als Grundlage für wirklich vergleichbare Offerten.

04Bewilligung

Wo nötig, Zusammenstellung und Einreichung des Baugesuchs, Abstimmung mit Kreisarchitektur und Denkmalpflege.

05Ausschreibung

Unternehmen werden auf demselben Pflichtenheft in Konkurrenz gesetzt, Angebote analysiert, Empfehlung begründet.

06Bauleitung

Koordination der Gewerke, Termin- und Budgetkontrolle, Qualitätssicherung bis zur Abnahme der Baustelle.

Honorare: was es in Zürich kostet

Seit 2020 ist der SIA-Honorartarif nicht mehr verbindlich: Die Honorare werden verhandelt. In der Praxis liegen sie für einen vollständigen Renovationsauftrag meist zwischen 15 und 22 % der Baukosten, beim Neubau eher zwischen 12 und 18 %. Nach Aufwand rechnen Sie mit 120 bis 300 Franken pro Stunde, je nach Profil des Büros und Komplexität des Projekts. Zürich zählt zu den teuersten Baustandorten der Schweiz — was nicht das Honorar aufbläht, sondern die Baukosten, auf die es sich bezieht; umso wichtiger ist eine Reserve von 10 bis 20 %.

Innenarchitektur-Honorare — Grössenordnungen

Renovation (Gesamtauftrag)
1522 % der Baukosten
Neubau
1218 % der Baukosten
  • Nach Prozentsatz: Das Honorar folgt den Baukosten — transparent, aber zu deckeln, damit es nicht mit dem Budget wächst
  • Nach Stunden (120 bis 300 Franken): passend für Beratungsmandate oder kleine Perimeter
  • Pauschal: bei klar definiertem Umfang möglich, fixiert den Betrag im Voraus
  • Immer prüfen: ob die Bauleitung enthalten ist oder nicht — das macht den ganzen Unterschied

Eine Grössenordnung gilt erst, wenn sie mit Ihrer Wohnung, Ihrem Gebäude und dessen Lage in Zone und Inventar abgeglichen ist. Architekten in Ihrem Kanton vergleichen

Der Zürich-Faktor: Altbau, Kernzonen und ISOS

Das ist die Besonderheit, die Zürcher Eigentümer am meisten überrascht. Ein grosser Teil der Wohnsubstanz stammt aus der Gründerzeit — Stuckdecken, Kastenfenster, Parkett, hohe Räume —, und ein grosser Teil des Stadtgebiets ist von Schutzinstrumenten überlagert. Nach unserer Recherche ist rund drei Viertel der Zürcher Siedlungsfläche vom ISOS erfasst, dem Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder; verbindlich einzelfallweise werden diese Werte vor allem dort, wo eine direkte Wirkung auf das Ortsbild besteht. Prüfen Sie die konkreten Angaben zu Ihrer Adresse — diese Zahlen ändern sich und gelten nicht pauschal.

01Kernzone

In den Kernzonen der Stadt können schon kleinere Vorhaben bewilligungspflichtig werden, die anderswo frei wären — die Einordnung ins Ortsbild wird mitbeurteilt.

02Denkmalpflege

Ist das Gebäude inventarisiert oder geschützt, läuft der Umbau in Absprache mit der städtischen und kantonalen Denkmalpflege; die Bauberatung ist kostenlos und lohnt sich früh.

03ISOS-Inventar

Das Bundesinventar wirkt vor allem über die kantonale und kommunale Umsetzung; es kann Eingriffe an Fassade, Fenstern und Dach einschränken, seltener rein innere Massnahmen.

04Asbest

Bei jedem Gebäude vor 1991 gehört eine Asbest-Diagnose vor den Abbruch — Zürcher Altbauten und Nachkriegsbauten betrifft das regelmässig.

Baubewilligung: wann Sie eine brauchen

Nicht jeder Innenumbau braucht ein Baugesuch. Reine Innenrenovationen, die weder Tragwerk noch Brandschutz, Nutzung oder Gebäudehülle berühren, sind in Zürich oft bewilligungsfrei — das Entfernen einer nichttragenden Trennwand zwischen Wohnräumen etwa gilt in der Regel als frei. Sobald jedoch eine tragende Wand, ein brandabschnittsrelevantes Bauteil, die Fassade oder die Nutzung im Spiel ist, kippt die Beurteilung ins Bewilligungspflichtige. Bei Unsicherheit gibt die Kreisarchitektur der Stadt eine unverbindliche Ersteinschätzung — genau das prüft ein ortskundiger Innenarchitekt im Vorprojekt.

Meist bewilligungsfrei
  • Nichttragende Trennwände entfernen oder Öffnungen darin ändern
  • Böden, Oberflächen, Küche und Bad im bestehenden Grundriss erneuern
  • Innenanstrich, Einbauschränke, Leuchten und Ausstattung
  • Unterhalt ohne Eingriff in Struktur, Nutzung oder Hülle
Meist bewilligungspflichtig
  • Eingriff in eine tragende Wand oder das Tragwerk
  • Änderung der Nutzung (etwa Büro zu Wohnen)
  • Eingriffe an Fassade, Fenstern, Dach oder Gebäudehülle
  • Vorhaben in Kernzone, ISOS-Perimeter oder an geschütztem Objekt

Ordentliche Bewilligungsverfahren dauern in der Regel mehrere Monate; bei geschützten Objekten kommt die Prüfung durch die Denkmalpflege hinzu. Diese Fristen kalkuliert eine Fachperson bereits in den Terminplan ein, statt sie später als Verzögerung zu erleben.

Stockwerkeigentum: die Zustimmung, an die niemand denkt

In einer Eigentumswohnung gehören tragende Wände, Fassade, Dach und Treppenhaus zu den gemeinschaftlichen Teilen — auch wenn sie in Ihrer Wohnung liegen. Ein Eingriff daran braucht die Zustimmung der Stockwerkeigentümergemeinschaft, und wertvermehrende (nützliche) Massnahmen verlangen in der Regel ein qualifiziertes Mehr. Wer ohne Beschluss baut, riskiert, den Rückbau anordnen zu lassen. Klären Sie das Reglement und die nötige Zustimmung, bevor Sie planen — nicht, nachdem die Handwerker bestellt sind.

Ein gutes Innenraumprojekt erkennt man an dem, was man nicht sieht: den gewonnenen Quadratmetern, den fliessenden Wegen, dem Stauraum, den man nicht mehr bemerkt, weil er einfach stimmt.
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Wann beauftragen und wie wählen

Der beste Zeitpunkt, um einen Innenarchitekt zu rufen, ist vor dem Kauf und in jedem Fall vor der ersten Offertanfrage. Auf dem Plan kostet das Verschieben eines Bads einen Bleistiftstrich; auf der Baustelle kostet es Wochen und mehrere tausend Franken. Die Fachperson früh einzubinden heisst auch, kein Objekt zu kaufen, dessen Zone, Schutzstatus oder Reglement genau das verbietet, was man vorhatte.

  • Ist die Fachperson Fachhochschul-diplomiert oder Mitglied der VSI.ASAI (Vereinigung Schweizer Innenarchitekten)?
  • Kann sie vergleichbare, in Zürich realisierte Baustellen im Altbau vorweisen?
  • Wie werden die Honorare festgelegt — Prozentsatz, Stunde oder Pauschale — und was schliessen sie genau ein?
  • Ist die Bauleitung enthalten, oder endet der Auftrag mit der Planübergabe?
  • Kennt sie die Zürcher Verfahren: Kreisarchitektur, Denkmalpflege, Kernzone und die Asbest-Diagnose vor 1991?

Häufige Fehler in Zürich

01Kaufen, bevor Zone und Schutzstatus geprüft sind

Kernzone, ISOS oder Denkmalschutz erst nach dem Kauf zu entdecken, heisst beim Projekt bei null anzufangen.

02Die Zustimmung der Gemeinschaft übergehen

Im Stockwerkeigentum kann ein Eingriff an gemeinschaftlichen Teilen ohne Beschluss zum Rückbau führen.

03Nicht vergleichbare Offerten vergleichen

Ohne gemeinsames Pflichtenheft können zwei Angebote für dieselbe Wohnung um das Doppelte auseinanderliegen, ohne dass eines «falsch» ist.

04Die Budgetreserve vergessen

Die meisten Renovationen überschreiten das Budget um 15 bis 25 % wegen dem, was sich nach dem Öffnen der Wände zeigt; 10 bis 20 % Reserve einplanen.

Ein Projekt in Zürich?

Beschreiben Sie Ihr Objekt und Ihr Vorhaben — Sie erhalten einen ersten Blick auf Machbarkeit, Grundriss und Grössenordnung, noch vor jeder Verpflichtung.

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Häufige Fragen

Der Innenarchitekt gestaltet den Raum selbst — Grundriss, Wände, Wegführung, Licht, Ergonomie — und koordiniert die Unternehmen; er ist an einer Fachhochschule ausgebildet (HES-SO, ECAL, HEAD). Der Dekorateur bearbeitet das Erscheinungsbild eines bestehenden Raums (Farben, Möbel, Textilien), ohne dessen Struktur zu verändern, und braucht kein anerkanntes Diplom. Für eine Renovation, die den Grundriss berührt, braucht es den Innenarchitekten.

Für einen vollständigen Renovationsauftrag liegen die Honorare in der Regel zwischen 15 und 22 % der Baukosten, beim Neubau zwischen 12 und 18 %. Nach Aufwand rechnen Sie mit 120 bis 300 Franken pro Stunde. Da der SIA-Tarif seit 2020 nicht mehr verbindlich ist, werden diese Beträge verhandelt; Zürich zählt zu den teuersten Baustandorten der Schweiz, weshalb eine Budgetreserve von 10 bis 20 % besonders wichtig ist.

Reine Innenrenovationen ohne Eingriff in Tragwerk, Brandschutz, Nutzung oder Gebäudehülle sind oft bewilligungsfrei; das Entfernen einer nichttragenden Trennwand gilt in der Regel als frei. Sobald eine tragende Wand, die Fassade, die Nutzung oder ein geschütztes Objekt betroffen ist, wird das Vorhaben bewilligungspflichtig. Bei Unsicherheit gibt die Kreisarchitektur der Stadt eine unverbindliche Ersteinschätzung.

In den Kernzonen können schon kleinere Vorhaben bewilligungspflichtig sein, weil die Einordnung ins Ortsbild mitbeurteilt wird. Das ISOS ist ein Bundesinventar schützenswerter Ortsbilder, das rund drei Viertel der Zürcher Siedlungsfläche erfasst und vor allem Fassade, Fenster und Dach betrifft, seltener rein innere Massnahmen. Die konkreten Angaben zur Adresse sollten vor Kauf oder Planung geprüft werden.

So früh wie möglich — idealerweise vor dem Kauf und in jedem Fall vor der Offertanfrage. Die teuersten Entscheidungen (Grundriss, Durchbrüche, Verschieben von Nasszellen) fallen auf dem Plan; sie während der Bauarbeiten zu ändern, kostet Wochen und mehrere tausend Franken. Ein früher Einbezug erlaubt zudem, Zone, Schutzstatus und im Stockwerkeigentum die nötige Zustimmung der Gemeinschaft abzuklären.